Hannes Mäser

Bildung

Schule in Tansania

Informationen zum Schulsystem und zur Schulpflicht in Tansania.

Natalie Fink Rwehumbiza
23.9.2026

Schulbesuch und Schulpflicht

‍
Im Jahr 2002 wurden die Schulgebühren für staatliche Grundschulen in Tansania abgeschafft, obwohl bereits seit 1978 eine Schulpflicht von mindestens sieben Jahren für Kinder und Jugendliche besteht. Dennoch besuchen nur etwa 81 Prozent der schulpflichtigen Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren eine Grundschule. In ländlichen Gebieten Tansanias schließen sogar nur rund 52 Prozent von ihnen die Grundschule erfolgreich ab*.

Dies hat mehrere Gründe.
Zum einen gibt es strukturelle Probleme im Bildungssystem, denn viele Schulen sind schlecht ausgestattet, es mangelt an qualifizierten Lehrkräften und geeignetenLehrmaterialien.
Einweiterer Faktor sind die häufigen Fehlzeiten. Viele Kinder, insbesondere in ländlichen Gebieten, müssen zu Hause im Haushalt oder in der Landwirtschaft mithelfen und versäumen dadurch regelmäßig den Unterricht. Besonders betroffen sind zudem Mädchen,die während ihrer Menstruation aufgrund fehlender Hygieneartikel und unzureichender sanitärer Einrichtungen häufig dazu gezwungen sind, zu Hause zu bleiben. Dadurch entstehen Lernrückstände, die nur schwer wieder aufzuholen sind.
Nichtzuletzt stellt auch die finanzielle Situation vieler Familien ein großes Hindernis dar. Denn obwohl der Schulbesuch selbst kostenfrei ist, müssen zu Schulbeginn verschiedene Schulutensilien wie Hefte,Stifte, Bücher, Schuluniformen und Schuhe angeschafft werden. Für einige Familien, insbesondere in ländlichen Regionen Tansanias, sind diese Kosten nicht tragbar, sodass vielen Kindern der Schulbesuch verwehrt bleibt.

Bildung ist ein Kinderrecht, und auch uns als Organisation ist es wichtig, dass jedes Kind die Chance auf Bildung erhält. Deshalb unterstützt RDO Tansania die Kinder und Jugendlichen innerhalb des Waisenunterstützungsprogramms zu Beginn jedes Schuljahres mit wichtigen Schulutensilien. Dazu gehören Schulhefte, Stifte, Schuluniformen und Schuhe, die den Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung erst ermöglichen. Die Schuluniformen und Schuhe werden direkt bei RDO von den BerufsschülerInnen selbst hergestellt. Dadurch erhalten die Kinder und Jugendlichen hochwertige Kleidung und Schuhe, während gleichzeitig die praktische Ausbildung der BerufsschülerInnen unterstützt wird.

Die Kosten für eine Schuluniform inklusive Schuhen betragen etwa 35 Euro pro Grundschulkind und rund 40 Euro pro Sekundarschulkind/BerufsschülerIn. Für Schulhefte und Stifte kommen je nach Schulstufe weitere 3 bis 6 Euro hinzu.

‍

Schulsystem in Tansania


Das Schulsystem in Tansania unterscheidet sich in einigen Punkten von dem in Österreich. Die Kinder besuchen zunächst zwei Jahre lang die Vorschule, die in etwa mit unserem Kindergarten vergleichbar ist. Danach folgen sieben Jahre Grundschule. Wer die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann anschließend für vier Jahre die Sekundarschule (Ordinary Level) besuchen. Möchte man danach studieren, muss man sich für weitere zwei Jahre an der Sekundarschule (Advanced Level) qualifizieren. Nach erfolgreichem Abschluss besteht dann die Möglichkeit, ein Studium aufzunehmen.

An öffentlichen Grundschulen wird auf Kiswahili unterrichtet, die Amtssprache Tansanias. Ab der Sekundarschule ist Englisch die offizielle Unterrichtssprache. Sowohl in den Grund- als auch in den Sekundarschulen tragen die SchülerInnen Schuluniformen, welche sich jedoch je nach Schule in Farbe und Muster unterscheiden.

Warum Schuluniformen?

Dazu habe ich keine offiziellen Erklärungen gefunden, jedoch habe ich einige Personen dazu befragt und folgende Antworten erhalten:
Für viele Kinder hat die Schuluniform eine ganz besondere Bedeutung. Sie tragen sie mit Stolz und verbinden damit das Gefühl, ein Teil der Schulgemeinschaft zu sein. Dabei achten sie sehr auf ihre Kleidung und tragen die Uniform auch wirklich nur während der Schulzeit, um sie möglichst sauber zu halten.
Außerdem sorgt die einheitliche Kleidung dafür, dass soziale Unterschiede zwischen den Kindern weniger sichtbar werden. Eine befragte Person beschrieb es folgendermaßen: „Zumindest äußerlich ist jeder und jede gleich.“

‍

Zusätzliche Informationen über die Unterstützung von Familien und Waisenkindern finden sich hier »»»

‍

Natalie Fink Rwehumbiza

‍

‍

*siehe „Education Policy Data Center (epdc)“

‍

weitere Artikel